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Er ist der größte und best erhaltene Einbaum in Österreich!
Triton-Direktor Cyril Dworsky im Interview über den Einbaum aus dem Wörthersee, wie er gefunden, geborgen, begutachtet wurde und was in Zukunft mit ihm geschieht.
Panorama:
Cyril Dworsky, in der letzten Ausgabe haben wir ausführlich das Triton-Projekt „Donaudampfschiffhafen“ besprochen und einiges darüber erfahren. In diesem fortsetzenden Gespräch möchte ich nun auf das zweite aktuelle Projekt „Der Einbaum aus dem Wörthersee“ eingehen.  Auf der Triton-Homepage befinden sich dazu bereits einige Berichte. Doch um in das Interview einzusteigen erzähl uns doch bitte wie Triton zu dem Einbaum gekommen ist.

Cyril Dworsky:
Also die Vorgeschichte ist folgende…

Ich bin per E-Mail von Dr. Paul Gleirscher aus dem Landesmuseum Klagenfurt kontaktiert worden, der wiederum hat von dem Finder Roland Mayerhofer die Nachricht erhalten, dass er bei einem Hobbytauchgang ein Objekt entdeckt hat.

Panorama:
Und warum hat sich das Landesmuseum Klagenfurt gerade bei Triton gemeldet?

Dworsky:
Nun, mit Paul Gleirscher haben wir auch schon bei dem Einbaumfund oder eigentlich den Einbaumfunden im Klopeiner See zusammengearbeitet. Genau genommen war es sogar ein Projekt das wir mit dem Landesmuseum Klagenfurt gemacht haben.Tja, und da das Landesmuseum keine Mitarbeiter hat die als archäologische Taucher arbeiten können haben sie uns gebeten den Einbaum aus dem Wörthersee mal anzuschauen. Das haben wir witterungsbedingt mehrmals verschieben müssen, da durch den Wintereinbruch die Sichtverhältnisse 20m unter Wasser nicht gerade toll waren. Somit haben wir immer wider hin und her telefoniert und im Grunde war’s dann so, dass wir schon einmal  im Herbst 2006 ins Wasser gegangen sind um den Einbaum zu begutachten. Allerdings gab es da ein Problem, da die Boje mit der Herr Mayerhofer den Einbaum 1,5m unter der Wasseroberfläche gekennzeichnet hatte entweder entfernt, abgerissen oder aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse einfach nicht von uns gefunden wurde. Außerdem hatte sich Herr Mayerhofer aus irgendeinem Grund falsche GPS-Daten von der Lage des Einbaums notiert. Somit war unser Tauchgang eher erfolglos.

Panorama:
Wie habt ihr ihn dann wieder gefunden?

Dworksy:
Herr Mayerhofer und seine Helfer haben sich daraufhin zu einigen Suchtauchgängen in den Wörthersee begeben und den Einbaum wieder „relokalisiert“.
Später, bei der Bergung des Objektes stellte sich dann heraus, dass es bereits vor Mayerhofer einen Finder gab. Sozusagen ein Erstfinder, den Herrn Sellner, der schon 1970 in der Bucht von Prischitz zwei Einbäume entdeckt hat.

Panorama:
Zwei Einbäume?!

Dworsky:
Ja, Herr Sellner hat mit seinem Tauchpartner die beiden gefunden, wobei sie bereits damals einen mit Hilfe einer Luftmatratze geborgen haben. Der befindet sich heute zur Besichtigung im Fischereimuseum von Seeboden am Millstättersee. Den Zweiten den sie dort entdeckten, meldeten sie auch dem Landesmuseum, allerdings gab es damals niemanden der sich dafür interessierte und so ist dieser in Vergessenheit geraten. Ob der Einbaum von Herr Sellner nun tatsächlich der Gleiche ist wie der den wir jetzt geborgen haben ist natürlich nicht genau feststellbar.

Panorama:
Warum wurde der zweite Einbaum eigentlich jetzt geborgen?

Dworsky:
Der Grund für die Bergung des Einbaums aus der Bucht von Prischitz  war der, dass er inmitten von Kriegsmaterial lag und es deswegen zu vermuten war, dass Schatztaucher Beschädigungen an dem Einbaum verursachen könnten. Bei der Bergung konnten wir auch feststellen, dass sich der Einbaum nicht an seiner ursprünglichen Position befand, da er direkt auf einer Munitionskiste lag. Es ist wahrscheinlich, dass er von einem Mienensuchrechen aufgegriffen und ein bisschen verschleppt wurde. Darauf weisen auch Verletzungen im Holz, also Riefen auf der Backbordseite des Einbaumes hin.
Es gibt sogar Augenzeugen die bei solchen Mienensuchaktionen dabei waren und die behaupten, dass sich damals noch zwei, drei andere Einbäume in solchen Rechen verhangen hatten. Teilweise sollen sie auch herausgekommen sein und wurden dann irgendwo am Ufer aufgelegt, wo sie mit der Zeit in der Sonne zerbröselten.
Hinsichtlich dieser Gefahr wurde beschlossen den Einbaum besser aus dem See zu holen.

Panorama:
Gibt es sonst irgendwelche Besonderheiten an dem Einbaum, abgesehen von den Riefen der Mienensuchrechen?

Dworsky:
Er ist der größte und best erhaltene Einbaum in Österreich! Ein weiterer Grund für eine Bergung und außerdem, so viele Einbaumfunde gibt es in Österreich auch wider nicht!
Somit haben wir im Juni 2007 das gute Wetter genutzt und die Bergung durchgeführt.

Panorama:
Wer hat eigentlich bei der Bergung aller mitgearbeitet? Es sollen ja eine Menge Menschen mitgewirkt haben?

Dworsky:
Das ist richtig! Vor allem war unser Trito-Team und die FFW Reifnitz, Ferlach und Krumpendorf bei der ganzen Aktion beteiligt. Vor der Bergung haben wir, also Isabella Tillich, Klaus Sima und ich, erstmal die Lage des Einbaums dokumentiert und geschaut ob unter Wasser alles in Ordnung ist. Anschließend haben wir mit den Feuerwehrtauchern besprochen wie wir die Bergung machen. Während der Bergung begleiteten Klaus Sima und zwei von unseren Fotographen die Feuerwehrtaucher unter Wasser. Einer der Feuerwehrtaucher war durch einen Sprechfunk mit dem Feuerwehrkommandanten an Land verbunden und hat den Fortgang des Bergens kontrolliert.

Panorama:
Wer hat das Projekt eigentlich finanziert oder mitgesponsert?! Mit welchen Mitteln konnte der Einbaum geborgen werden?

Dworsky:
VIAS war unser Austraggeber. Wir konstruierten einen Schwimmkörper der aus zwei miteinander verbundene Plattformen bestand, die in der Mitte einen Freiraum hatten. An diesem Freiraum wurde ein Hebebaum an verschiedenen Sicherungsseilen hinuntergelassen und direkt über dem Einbaum positioniert. Dann sind Gurte unter dem Einbaum befestigt worden und alles wurde ganz langsam hoch gezurrt, so dass der Einbaum schön in der Waage lag. Das Problem war ja, dass der Einbaum in einer Hanglage gelegen ist. Das heißt, dass man während der Einbaum hinaufgezogen wurde die Gurte von der Länge so modifizieren musste, dass er nicht mehr in einer Schräglage war. Aus diesem Grund haben wir das Ganze auch nicht mit Hebeballons gemacht. Hierbei wäre die Gefahr bestanden, dass wenn der im Sediment schön festgesaugte Einbaum auf einer Seite von den Ballons zu schnell herauslöst wird und dadurch auf dieser Seite dann zuviel Kraft besteht und er beschädigt werden hätte können.
Wir wollten eine besonders gute und auch sparsame Möglichkeit ihn unter Wasser auszutarieren. Deswegen haben wir das auch alles händisch gemacht und nicht motorisch, um dabei keine großen Rucker zu bekommen. Mit dem Sprechfunk wurde dann koordiniert wer ober Wasser an welchem Seil anziehen musste. An jedem Seil haben sich bestimmt so um die 10 Leute befunden. Ich muss dazu sagen, dass ich das Gewicht des Einbaums grob unterschätzt hatte, also ohne die ganzen Feuerwehrleute, die mit ihrer Kraft ausgeholfen haben hätten wir das nicht geschafft.

Panorama:
Wie schwer war er denn?

Dworsky:
Wenn man dem was die Waage von dem Kran, der ihn herausgezogen hat, ungefähr glauben kann hatte er ein Gewicht zwischen 1,2 und 1,5 Tonnen.

Panorama:
Nachdem der Einbaum geborgen wurde, wo wurde er hingebracht? Wie ging es weiter?

Dworsky:
Wir haben ihn dann an der anderen Seite des Sees an Lang gehievt, da in der Bucht von Prischitz kein Kranwagen zufahren konnte. Anschließend wurde er per LKW nach Wien transportiert, wo der Konservierungsprozess eingeleitet wurde.

Panorama:
Wo liegt der Einbaum also jetzt genau?

Dworsky:
Der befindet sich jetzt im Geozentrum auf der Uni Wien, sicher in einem Folientank.

Panorama:
Dort lagert er nun für Forschungszwecke oder was geschieht weiter mit ihm? Wird er irgendwann auch mal ausgestellt?

Dworsky:
Ja, bis er fertig konserviert ist bleibt er im Geozentrum. Und bis sich die Zellstruktur des Einbaums soweit stabilisiert hat, dass er nicht mehr in Säuren gelagert werden muss dauert es noch ein paar Jahre. Dann ist geplant, dass er in das noch zu errichtende Unterwasserarchäologie-Museum Keutschach kommen soll. Wobei alles erst mit den Bundesforsten zu besprechen ist, da in Österreich bei solchen archäologischen Funden immer eine Hälfte dem Finder und die andere dem Grundeigentümer gehört.

Panorama:
Nach der Bergung wurden bestimmt einige Untersuchungen an dem Einbaum unternommen. Was wurde bereits gemacht, was wird gerade getan und was ist noch geplant?

Dworsky:
Nun, da der Einbaum jetzt erstmal für ein paar Jahre konserviert wird und damit wir ihn nicht immer wieder für unsere Forschungen aus dem Wasser nehmen müssen haben wir einen 3D-Scan an dem Einbaum vorgenommen. Wir hoffen dass wir dadurch ein so hochauflösendes Modell konstruieren können, dass wir auch kleinste Arbeitsspuren an dem Einbaum herauslesen können. Dieses Modell wird gerade von der RGZM erstellt. Weiters würden wir gerne ein Maßstabmodell 1:10 von dem Einbaum anfertigen, das dann im RGZM ausgestellt werden soll. Aber dafür müssen wir uns erst Sponsoren suchen.

Panorama:
Kann man schon was zur Datierung des Einbaums sagen?

Dworsky:
Also wir warten noch auf eine genaue Auswertung, doch aus technologischer Schicht weisen die Bearbeitungsspuren des Einbaums auf Metallwerkzeuge hin und somit auf eine Metallzeit. Ich möchte darüber aber nicht viel verraten, denn eine genaue technische und typologische Einordnung wird uns Michael Konrad in seiner PS-Arbeit hoffentlich schon 2008 präsentieren.

Panorama:
Sind weitere Publikationen über den Einbaum geplant?
Dworsky:
Im Jahrbuch von RGZM 2008, werden wir in Kooperation mit VIAS und VERA über den Einbaum berichten. Zudem werden bestimmt noch einige Artikel für das Landesmuseum Klagenfurt hinzukommen.

Panorama:
Dann hoffe ich, dass wir noch einiges von dem Einbaum hören, sehen und lesen werden! Ich danke für das eingehende Gespräch und wünsche Triton auch weiterhin viel Erfolg mit seinen Projekten!


Bericht: Helena Novak - April 2008