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‚Die hätten die technischen Möglichkeiten und wir das Testgebiet‘
Triton-Direktor Cyril Dworsky im Interview über den Donaudampfschiffhafen als Testgebiet für neue Technologien und Raum zur Weiterbildung junger Tritonauten.
Panorama:
Cyril Dworsky, die Gesellschaft Triton ist die österreichische Einrichtung die sich mit Unterwasserarchäologie beschäftig. Welche  Projekte werden derzeit bei Triton durchgeführt?

Cyril Dworsky:
An laufenden Projekten haben wir gerade die Prospektion des alten Donaudampfschiffhafens und den Einbaum aus dem Wörthersee.

Panorama:
Befassen wir uns erst einmal genauer mit dem Projekt Donaudampfschiffhafen. Welche Ziele verfolgt Triton in diesem Projekt?

Dworsky:
Im Grunde geht es um die alte Dampfschiffanlegestelle, die im 19. Jahrhundert im Bereich der alten Donau bestanden hat. Die war damals Hauptarm der Donau, sprich also auch das Hauptschifffahrtsgewässer. Mit der Korrektur der Donau 1875, das heißt mit dem Donaudurchstich, ist die alte Donau von dem Hauptstrom getrennt worden. Dadurch hat auch kein Zugang zum Hafen mehr bestanden und die Schiffe konnten nicht mehr zufahren. Auch die Schiffsmühlen, die dort bestanden haben, die ursprünglich kaiserlichen Schiffsmühlen – deswegen auch der Bezirksname „Kaisermühlen“ –, hatten dadurch kein Fließwasser mehr und somit ihre wirtschaftliche Grundlage verloren.

Von diesem Hafen kennt man im Prinzip nur die Lage und ansonsten wenig. Deswegen haben wir dieses Thema als Forschungsprojekt ausgewählt.

Ein zweiter Grund für unsere Projektwahl wäre, dass wir gerne eine Art Spielwiese vor unserer Haustür hätten. Wir möchten Suchmethoden entwickeln, die uns auch an anderen Fundorten nützlich sein könnten. Um diese Tests zu machen, wäre es angenehm, wenn wir nicht immer weite Reisen zu geeigneten Fundstellen machen müssten. Außerdem könnten wir den Ort für Workshops zur Weiterbildung und zur unterwasserarchäologischen Ausbildung junger Triton-Mitglieder nutzen.

Panorama:
Also ist das Projekt für eine längere Zeitspanne geplant?

Dworsky:
Nun ja, das kommt darauf an, was das Projekt für Ergebnisse bringt.

Panorama:
Was für Ergebnisse werden denn erwartet?

Dworsky:
So wie es sich bisher abzeichnet, können wir sagen, dass die Hafenanlage eine befestigte Kaimauer hatte und an Land Hafengebäude, sprich Lagerhäuser, Büros, Aufenthaltsräume für Personenschifffahrt und solche Dinge. Ins Wasser hinein gab es jedoch relativ wenige Einbauten. Wir dürfen uns da also keine großen Molenanlagen erwarten, sondern eben nur eine Kaimauer mit hölzernen Stegen, die ins Wasser hineinragten und zur Ent- beziehungsweise Beladung von Schiffen genutzt wurden.

Ob sich unter Wasser tatsächlich noch Pfahlbauten befinden und wie der Untergrund heute aussieht, müssen wir erst erforschen. Dabei hängt das Projekt maßgeblich von unseren Messmöglichkeiten ab. Denn soweit ich das jetzt überblicke, könnten wir gröbere Schwierigkeiten bekommen, wenn sich dort eine sehr massive Schotterschicht befindet, da sie für akustische Messsysteme schlecht geeignet ist und wir vor allem diese verwenden.


Panorama:
Welche technischen Möglichkeiten stehen Triton zur Erforschung des Untergrunds noch zur Verfügung?

Dworsky:
Hoffentlich haben wir auch die Möglichkeit, Geomagnetismus auszutesten. Das hängt von der Kooperation mit ZAMG ab.

Panorama:
ZAMG?!

Dworsky:
Ja, das ist die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien. Unser Kontaktmann Klaus Löcker ist dort in der Abteilung „Archeo Prospections“ tätig. Es wäre auch für sie interessant, einmal ihre Messsysteme in Gewässern auszutesten. Die hätten die technischen Möglichkeiten und wir das Testgebiet. Es kommt nur darauf an, ob sie es aus eigener Kraft finanzieren oder ob wir externe Mittel dafür haben beziehungsweise benötigen.

Panorama:
Das ist auch gleich ein gutes Stichwort zur nächsten Frage wie sieht es generell mit der Finanzierung des Projekts aus? Von welchen Institutionen würde Triton finanzielle Mittel bekommen?

Dworsky:
Na hoffentlich von der Stadt! Da wären beispielsweise die MA 8 (Wiener Stadt- und Landesarchiv) und noch einige andere. Wir müssten unser Projekt einreichen, um Unterstützung zu erhalten, doch im Moment wird das Ganze noch von uns selbst finanziert. Das Problem ist, dass es sich in diesem Fall um eine Forschungsgrabung handelt und in Österreich generell meist nur Geld für Rettungsgrabungen verteilt wird.

Panorama:
Was wurde denn bereits gemacht, das Projekt ist ja schon eine Zeit lang am laufen!

Dworsky:
Zur Methodik kann man sagen, dass unser Projekt in mehrere Teile gegliedert ist. Erstens die Recherche und Ausarbeitung schriftlicher Quellen – Womit sich im Besonderen Alexander Schwille und seine Assistenten auseinandergesetzt haben, beziehungsweise auseinandersetzen. Das heißt, alles muss durchgegangen werden – von der National- sowie Universitätsbibliothek über das Stadt- und Landesarchiv bis zum Kriegsarchiv und wieder zurück. Das Problem hierbei ist nur, dass ziemlich viele Akten verlorengegangen sind oder im Krieg vernichtet wurden. Es gibt also keine detailreichen Pläne über den Hafen aus der Zeit 1830 bis 1875, sondern meist nur großflächige Karten, in denen die Lage des Hafens gekennzeichnet ist. Wir haben jedoch Hinweise auf das Aussehen des Hafens anhand von Fotografien und Ölgemälden. Diese sind allerdings sehr sporadisch und wenig hilfreich.

Panorama:
Wann ist eigentlich der erste Tauchgang geplant? Vielleicht erkennt man Genaueres unter Wasser?

Dworsky:
In zwei Wochen, also Anfang März, wollen wir das erste Mal ins Wasser. Was mich auch gleich zu unserem zweiten Teil bringt, nämlich die Oberflächenaufnahme unter Wasser. Wir notieren die Untergrundbeschaffenheit, die Topographie und am besten zeichnen wir auch gleich ein Bodenrelief, damit wir ungefähr einen Anhaltspunkt haben, wie es dort unten aussieht und welche Bereiche für uns spannend sein könnten. Der dritte Abschnitt unseres Projektes wären dann die akustischen Tests, die es uns ermöglichen, verschiedene Schichten zu erkennen und Artefakte von sie umgebendem Sediment zu unterscheiden. Der britische Geophysiker Neil Jones wird uns dabei helfen. Er hat Ideen für sehr hochauflösende Messsysteme, die er im Laufe unseres Projekts austesten und weiterentwickeln möchte. Wir verschaffen ihm das Testgebiet und er gibt uns das technische Know-how.



Im vierten Schritt können wir durch Bohrungen, die parallel zu den akustischen Tests durchgeführt werden sollten, die Ergebnisse der Sonars überprüfen. Besonders gut würden sich Gefrierkernbohrungen eignen, da es hierbei zu keinem Schichtverzug kommt und wir so eine genauere Auswertung erhalten. Und wenn die Kooperation mit ZAMG funktioniert, könnten wir anschließend auch geomagnetische Messungen austesten.

Panorama:
Welche Entdeckungen beziehungsweise Funde kann man sich aus diesen Messungen erwarten?

Dworsky:
Ich denke, was wir uns erwarten können zu finden, sind Dinge, die über Bord gegangen sind – etwa Ladung –, Teile von Stegen und den Schiffsmühlen, wenn wir Glück haben vielleicht auch einen Mühlstein und wenn wir besonderes Glück haben Reste einer untergegangenen Schiffsmühle. Auf alle Fälle müssten wir bei den Bohrungen auf eine Art Kohleschicht stoßen. Solch eine schwarze Verfärbung im Sediment entsteht durch den angesammelten Dreck der Dampfschiffe. Besondere Erkenntnisse erwarten wir uns in der Entwicklung der Messgeräte und ihrer Funktion unter Wasser. Das wäre natürlich auch für die Wirtschaft interessant, da diese Geräte auch in anderen Bereichen eingesetzt werden können.

Panorama:  
Kann bereits eine zeitliche Einschätzung abgegeben werden, wann erste Ergebnisse des Projektes vorliegen werden?

Dworsky:
Erste aussagekräftige Ergebnisse sollten wir im Juni haben, da wir auch im Juli bei dem IKUWA3-Kongress unser Projekt präsentieren werden.

Panorama: I
Ich danke für das informative Gespräch und freue mich schon auf die nächste Ausgabe, in der wir uns über das Projekt „Der Einbaum vom Wörthersee“ unterhalten werden.

Bericht: Helena Novak - März 2008