BERICHT ÜBER DIE ERFORSCHUNG VON BRÜCKENRESTEN IN DER ENNS (OÖ)
Im September 2000 konnten wir die Untersuchungen in der Enns zu einem vorläufigen Ende bringen.
Ein markanter Niedrigwasserstand – ca. 2,5 m tiefer als während der Tauchkampagne 1999 – erlaubte eine großflächige Absuche, sowohl von den Ufern aus, als auch im Fluß. Auf der ganzen Strecke zwischen Eisenbahnbrücke und Straßenbrücke flußaufwärts ließen sich keine weiteren Holzpfähle ausmachen, die auf eine weitere Brückenkonstruktion hinweisen würden. Falls es trotz der Flußregulierungen noch Überreste einer römischen oder mittelalterlichen Brücke über die Enns geben sollte, dann sind diese unter der flächendeckenden Schicht aus algenüberwucherten Flußkieseln gut verborgen.
Abb. 1
1. Forschungsgeschichte:
1.1. Die Vorgeschichte
1.2. Die Passio Floriani
1.3. Die Kaiserin Elisabeth Westbahn
2. Die Taucharchäologische Untersuchung 1999
2.1. Die Untersuchung
2.2. Die Ergebnisse
3. Die Schlussfolgerungen
4. Kurze Auswahlbibliographie
Anmerkungen
1. Die Forschungsgeschichte
1.1. Die Vorgeschichte
Der Anstoß zu der Untersuchung der römischen Ennsbrücke kam von Seiten der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie (BGfU). Die BGfU untersuchte in den Jahren 1992-1997 die römische Brücke über die Donau bei Stepperg und zeigte nun großes Interesse an der für römische Brücken sehr gut erhaltenen Resten in der Enns.(1) Die untersuchten Brückenreste in der Enns liegen zwischen der Stadt Enns und der Gemeinde Ennsdorf knapp vor der Mündung des Flusses in die Donau. (Abb. 1) Die Enns bildet hier den Grenzfluß zwischen den Bundesländern Ober- und Niederösterreich. Die vier im Fluß liegenden Pfeiler wurde von dem deutschen Archäologen Heinz Cüppers zum ersten Mal 1965 in den Bonner Jahrbüchern publiziert, nachdem er sie bei einem Niedrigwasserstand der Enns photographiert und grob vermessen hatte. Sie galt seither als schönes Beispiel einer römischen Brücke mit Holzfundamentation.(2)
Erste Sondierungstauchgänge durch Marcus Prell von der BGfU und Fritz Schipper vom Arbeitskreis Unterwasserarchäologie (3) schienen sehr vielversprechend, wiesen aber auch auf die immanente Zerstörungsgefahr der Pfeiler durch geänderte Strömungsverhältnisse in der Enns hin. Durch die Errichtung eines dritten, betonierten Pfeilers an der modernen, gleich daneben liegenden Eisenbahnbrücke in den 70er Jahren wurden große Teile der Pfahlreihen von Pfeiler II und III der alten Brücke freigespült und ragten nun schon knapp 2 m aus dem Flußbett.(4) (Abb. 2) Das ließ eine Untersuchung an der römischen Ennsbrücke nur umso dringlicher erscheinen, da zu fürchten war, daß besonders Pfeiler II auseinanderbrechen könnte. ^
1.2. Die Passio Floriani
Der Zusammenhang der römischen Brücke mit dem Martyrium des Heiligen Florian machte das Projekt auch für die Erforschung des frühen Christentums in Österreich spannend. Denn von einer römischen Brücke soll am 4. Mai 304 n. Chr. der Hl. Florian, der ehemalige Kanzleivorstand des römischen Statthalters von Lauriacum, mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns gestoßen worden sein. So berichtet es die Passio des Hl.Florian, die in einer langen und einer kurzen Variante aus dem 8. und 9. Jhd. n. Ch. erhalten ist. Die Vorlage der Passio, die in mehreren Schriftausgaben existiert, geht sicherlich in spätantike Zeit zurück.(*) Die vermeintliche Übereinstimmung von archäologischer und literarischer Quelle machte diese Untersuchung besonders reizvoll.
Der erste Projektentwurf für die Untersuchungen in der Enns beinhaltete die Vermessung von mindestens zwei Pfeilern mit genauer Pfahldokumentation, die Entnahme von Holzproben für die dendrochronologische Untersuchung und die photographische sowie schriftliche Dokumentation der Verfallserscheinungen und des Erhaltungszustandes. ^
1.3. Die Kaiserin Elisabeth Westbahnbrücke
Während der Detailplanung und der Beantragung der Bewilligung und der Mittel beim Bundesdenkmalamt in Wien tauchten erste Zweifel an der wahren Natur der Brücke auf. Ein Artikel in den Mitteilungen des Museumsvereines Lauriacum durch den Heimatforscher Helmut Schmidl berichtigte die in der Forschung verbreitete Meinung nach H. Cüppers, daß es sich um die römische Brücke über die Enns handle.(5) Nach Schmidls Ansicht handle es sich vielmehr um eine Brücke der Kaiserin Elisabeth Westbahnstrecke aus dem 19. Jahrhundert. Diese wurde durch ein Hochwasser 1899 massiv beschädigt, was den Bau der noch heute bestehenden Eisenbahnbrücke veranlasste.(6) Auf diesen Artikel folgte eine zielgerichtete, intensive Recherche über die Geschichte dieser Eisenbahnbrücke der K&K Monarchie.
Währenddessen wurden nach einem zweiten, wegen zu starker Strömung und nahezu keiner Sichtweite erfolglosen Untersuchungstauchgang im Frühjahr ein dritter Tauchgang im Mai 1999 durchgeführt. Dabei wurden, trotz abermaliger schlechter Bedingungen, drei Holzproben von Pfeiler III durch die neugegründete Österreichische Gesellschaft für Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie triton entnommen. Die Einordnung einer der Proben brachte drei mögliche Datierungen: 12. Jhd. n. Ch., 1814 n. Ch. oder 1858 n. Ch.(7) Diese Zeitstellung reihte sich gut in die neuen Erkenntnisse aus den recherchierten Fakten über die Erbauung der K&K Eisenbahnbrücke. Im Zuge der Errichtung der Westbahnstrecke wurde 1856 mit dem Bau einer Brücke über die Enns begonnen. Die Teilstrecke zwischen Wien und Linz wurde mit 15. Dezember 1858 eröffnet und für die Benutzung freigegeben. Die gesamte Strecke wurde dann bis 1860 fertiggestellt.(8)
Letztendlich konnten sogar die Originalbaupläne für die Brücke an Bahnkilometer 169.353 im Österreichischen Staatsarchiv aufgespürt werden. Diese Pläne deckten sich schon auf den ersten Blick sehr gut mit den Plänen und Photos der römischen Ennsbrücke von H. Cüppers.(9)
Erhalten haben sich die Originalkonstruktionspläne und Protokolle über die Belastbarkeitstest zur Bewilligung der Inbetriebnahme der Bahnstrecke.
Weiters sind Protokolle aus dem Jahren 1899 und 1900 erhalten.(10) In den September dieses Jahres fällt die massive Beschädigung der Brücke im Verlaufe eines enormen Hochwassers. Die Protokolle dokumentieren die Errichtung einiger provisorischer Jochstützen im Bereich des III. und IV. Pfeilers sowie einer Hilfskonstruktion aus Walzeisenträgern um den Bahnbetrieb aufrecht erhalten zu können. Es findet sich ebenfalls der Beschluß, eine neue, den modernen technischen Möglichkeiten entsprechende Eisenbahnbrücke auf nur zwei Pfeilern zu schaffen und die dazugehörige Konstruktionsskizzen, auf denen auch die alte Ennsbrücke eingezeichnet ist.

Die ursprüngliche, erste Eisenbahnbrücke wurde auf fünf Pfeilern und zwei Uferwiderlagern (Brückenköpfen) errichtet. Die exakte Konstruktionsweise der Pfeiler und Widerlager kann nicht mit genauer Bestimmtheit gesagt werden, da sich unter den Konstruktionsplänen mehrere verschiedene Varianten befinden, aber leider keine Bauprotokolle erhalten geblieben sind, die belegen welche der Varianten zur Ausführung gelangte. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich bei den Pfeilern um eine einschalige mit Stein - Mörtelgemisch aufgefüllte Fundamentation, auf die dann die Pfeiler aus großen Granitblöcken errichtet wurden. Der Überbau und die Brückenbahn bestand aus einer zweigleisigen Eisenkonstruktion, wovon ebenfalls Pläne vorhanden sind.
Erhalten sind auch etliche historische Ansichten und Aufnahmen, die ein gutes Bild geben, wie die alte Eisenbahnbrücke ausgesehen hat.(11) Auf einer Postkarte sieht man beide Brücken nebeneinander stehen. Die alte Brücke diente bei der Errichtung der neuen als Konstruktionshilfsgerüst und wurde erst nach Bauende abgerissen. Auf dieser Abbildung lassen sich auch die provisorischen Ausbesserungen im Bereich des 4. und 5. Pfeilers erkennen. ^
2. Die taucharchäologische Untersuchung im Oktober 1999:
Da in der Literatur mehrfach auf die römische Ennsbrücke Bezug genommen wird, beschloß die 1999 gegründete Österreichische Gesellschaft für Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie triton mit dem BDA die Untersuchung an der Brücke trotz der vorhandenen Informationen durchzuführen, um jeden Zweifel an einer Neuinterpretation ausschließen zu können.
Innerhalb von fünf Tagen sollten die Pfeiler in ihren Ausmaßen gekennzeichnet und in einer groben Umrißvermessung dokumentiert werden. Jeder Pfeiler sollte mehrfach beprobt werden, um eine sicherere Dendrodatierung zu bekommen. Der Erhaltungszustand und Verfall sollte photographisch dokumentiert werden. In Folge standen noch Sondierungstauchgänge etwas flußaufwärts, wo die römische Brücke vermutet werden kann, nach Möglichkeiten auf dem Programm.(12) ^
Abb. 2
2.1. Die Untersuchung:
Ein Team von fünf Tauchern der Österreichische Gesellschaft für Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie triton untersuchte die Brücke in Enns im Zeitraum vom 04. - 08. 10. 1999. Die Arbeit wurde in vier Schichten, je zwei Vormittags und Nachmittags, durch je zwei Taucher eingeteilt. Eine Assistenzperson in einem Begleitboot gewährleistete die Sicherheit und konnte Material entgegennehmen und reichen.(13) Mit Tauchprotokollen wurde jeder einzelne Tauchgang, die Arbeitsaufgaben und die tatsächlich durchgeführten Schritte dokumentiert. Getaucht wurde hauptsächlich in Trockentauchanzügen, aber auch halbtrocken und naß.
An Land stand dem Team ein heizbarer Bauwagen zur Verfügung, was die widrigen Witterungsbedingungen erheblich erleichterte.(14)
Nach der Lokalisierung der vier Pfeiler wurden in einer ersten Phase die Eckpunkte mit Boien gekennzeichnet. Zur Markierung wurden handelsübliche Einwegplastikflaschen (PET-Flaschen) verwendet, die mit Signalfarbe besser sichtbar gemacht wurden. (Abb. 3) An einer Schnur durch die Verschlußkappe konnten sie mit Hilfe von sogenannten Spannbrillen (wie sie bei Zeltschnüren gebräuchlich sind) leicht an den in die Pfähle geschraubten Haken festgezurrt werden. Da im Herbst die Strömungsbedingungen in der Enns optimal sind, weil das Wehr meist fast ganz geschlossen ist, ergibt sich eine nur marginale Abweichung der festgespannten Boien aus der Lotrechten.
Abb. 3 Abb. 4
Jeder Pfeiler wurde nach Möglichkeit mit 14 Boien in seinem Umriß gekennzeichnet. (Abb. 4) Diese Methode funktionierte an Pfeiler I + II bestens, bei dem an sich sehr gut erhaltenen III. Pfeiler machten sich aber bald leichte Unklarheiten erkennbar. Hier sind, wie auch schon von Cüppers bemerkt, auch innerhalb der Spundwand aus Pfahlreihen Pfähle vorhanden, was die genaue Identifizierung des Umrisses schwieriger machte. Die Gründe für die Pfahlsetzungen innerhalb des Pfeilers müssen entweder in der Konstruktionsweise oder in der Errichtung eines Provisoriums liegen.(15) Der IV. Pfeiler scheint überhaupt nur mehr ansatzweise erhalten zu sein, wodurch kein erkennbares Konstruktionsmuster kennzeichenbar war.(16)
Diese Umrißkennzeichnungen (Pfeiler I - III) oder auch nur Kennzeichnung der vorhandenen Reste (Pfeiler IV) wurden von Land aus mittels Theodoliten eingemessen.
Parallel dazu wurden von den Pfeilern I, II und IV je zwei Holzproben genommen. Pfeiler III wurde nur einmal beprobt, denn hier gab es schon Proben aus dem oben erwähnten Untersuchungstauchgang im Mai 1999. Der Durchmesser und die Festigkeit des Holzes machten die Probenentnahmen mit einer Handsäge reichlich schwierig, sodaß es in diesem kurzem Zeitraum von fünf Tagen nicht möglich war eine größere Anzahl zu erreichen.
Um einen Vergleich zu den im Museum Enns vorhandenen Pfahlschuhen ziehen zu können, dessen Herkunft nicht genau bestimmbar ist, wurde versucht einen der Pfähle von Pfeiler III auszugraben, denn hier konnte man schon bei zwei Pfählen die Oberkante des Pfahlschuhes erkennen.(17) Der feste Untergrund und die Einschlagtiefe machten dies aber unmöglich.(18) Glücklicherweise konnte aber ein einzelner Pfahlschuh ebenfalls in Pfeiler III knapp an der Oberfläche gefunden werden. (Abb. 5) Dieser wurde photographiert, eingemessen und geborgen. Eine erste optische Gegenüberstellung mit den angeblich römischen Pfahlschuhen aus dem Museum läßt keine Gleichsetzung und keine Schlüsse auf den Ursprung dieser zu, allerdings sind die Untersuchungen hier noch nicht beendet.
Nach dem Entfernen der Boien konnte noch ein Suchtauchgang etwas stromaufwärts auf Höhe des sog. Papst- oder Floriankreuzes unternommen werden. Diese Stelle scheint sich für die römische Ennsbrücke anzubieten, da sich hier der Verlauf der bekannten römischen Straßen auf der Ennser Seite fortführen läßt und hier auch Pfahlsetzungen bei Niedrigwasserständen beobachtet werden konnten.(19) Dieser Tauchgang konnte wegen der während der Woche kontinuerlich schlechter werdenden Sichtbedingungen (etwas stromaufwärts wurde nach den Angaben eines Anrainers Schotter in der Enns gebaggert) nur mehr sehr eingeschränkt durchgeführt werden und brachte keine Sichtung von Holzresten. Allerdings wurde ein weiterer Pfahlschuh geortet, der aber nicht mehr eingemessen und geborgen werden konnte, sodaß er nur gekennzeichnet wurde und noch seiner Untersuchung harren muß. ^
2.2. Die Ergebnisse
Wie schon oben erwähnt, kann ein abschließendes Ergebnis erst nach der Auswertung der Holzproben geboten werden, dennoch kann man schon einige Aussagen treffen:
• Die Position der vier untersuchten Pfeiler deckt sich nahezu exakt mit den Plänen der Kaiserin Elisabeth Westbahnbrücke. Der fünfte Pfeiler der alten K&K Brücke ist dabei nach Flußregulierungen unter der westlichen Uferböschung verborgen.
• Die dendrochronologische Aussagekraft der Holzproben, die Untersuchung wurde von Dr. Cichocki durchgeführt, zeigte sich leider als sehr begrenzt. Die Proben sind durchwegs Fichtenstämme, die schwer in eine verläßlichen Mittelkurve einzuordnen sind. Trotz der nicht ganz einheitlichen Situation, weist aber auch die Dendrochronologie deutlich in das 19. Jahrhundert.
• Die Strömungsverhältnisse scheinen vor allem die zwei mittleren Pfeiler langsam freizuspülen, wobei es nicht möglich war einen der Pfähle ohne schweres Gerät auszugraben. Teilweise stehen die Pfeiler zwar fast 2 m aus dem Flußbett, scheinen aber noch ziemlich fest verankert zu sein.
• Durch den Ausbau der Eisenbahnbrücke in den 70er Jahren wurde Pfeiler IV großflächig zerstört oder überdeckt.
• Die Füllung der Pfeiler ist an vielen Stellen noch erhalten: es handelt sich um ein Stein - Mörtel Gemisch wie es auch auf einem der Konstruktionspläne ersichtlich ist
• Der geborgene Pfahlschuh ist in seiner Erscheinung denen des Museum Enns unähnlich und schließt damit deren römische Herkunft nicht aus. ^
Abb. 5
3. Die Schlußfolgerungen
Nach der taucharchäologischen Untersuchung und den Archivarbeiten der Österreichische Gesellschaft für Feuchtboden- und Unterwasserarchäologie Triton kann ohne Zweifel gesagt werden, daß die in der Literatur als römisch bekannten Reste einer Brücke in der Enns der zweiten Hälfte des 19. Jhd. n. Ch. zuzuordnen sind. Sowohl das Kartenmaterial als auch die erste Auswertung der Untersuchung im Oktober 1999 bringen hier eindeutige Ergebnisse.
Die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis sind folgendermaßen:
• Anhand dieses Beispiels zeigt sich, wie wichtig die Kommunikation zwischen Forschung und Umwelt ist. Wenige Gespräche mit der Bevölkerung vor Ort, hätten den Irrtum, dem Cüppers in der vielleicht etwas zu oberflächlichen Bewertung der Pfeilerkonstruktion aufgesessen ist, sehr schnell aufklären können. In den 60er Jahren hätte es sicherlich noch etliche Zeitzeugen der Eisenbahnbrücke gegeben.
Zugegebenermaßen ist die Ähnlichkeit der Pfeiler mit typisch römischen Anlagen wie Köln oder Mainz frappierend, allerdings scheint diese Kontinuität in der Bauart rein konstruktionsbedingt und funktionell zu sein.
• Das führt zu einer weiteren Konsequenz: Brücken, die ähnlich im Aufbau zu der Ennsbrücke sind, und deshalb, oder auch nur auf Grund eines generellen typologischen Vergleiches, als römisch angesehen werden, sind unter Umständen einer neuerlichen Beurteilung zu unterziehen. Eine rein typologische Einordnung kann ohne dendrochronologische Daten oder andere sichere Beweise nicht ohne weiteres erfolgen.
• Die Suche nach dem ursprünglichen römischen Ennsübergang sollte an anderer Stelle weitergeführt werden. Hier ist das Gebiet zwischen der heutigen Autobahnbrücke und der Eisenbahnbrücke als zielführend zu betrachten. Der gefundene Pfahlschuh (s.o.) bietet einen ersten Anhaltspunkt, allerdings müssen in diesem Gebiet eine Vielzahl von Brücken vermutet werden.
Sinnvoll erscheint es, daß ein neuerlicher Niedrigwasserstand der Enns für eine solche Untersuchung genützt wird.(20) ^
4. Kurze Auswahlbibliographie:
• Cüppers 1965: Heinz Cüppers, Eine römische Straßenbrücke über die Enns, in: BJB 165, 1965, S. 97-104.
• Cüppers 1969, Heinz Cüppers, Die Trierer Römerbrücken, Trierer Grabungen und Forschungen 5, Rheinisches Landesmuseum Trier, Mainz, 1969.
• Prell 1997: Marcus Prell, Die Römische Donaubrücke bei Stepperg, Taucharchäologische Untersuchungen 1992 bis 1996, in: Neuburger Kollektaneenblatt 145, 1997, S. 5- 80.
• Schmidl 1999: Helmut Schmidl, Beiträge zur römischen Ennsbrücke, in: Mitteilungen des Museumvereins Lauriacum Enns 37, 1999, S. 15-17.
5. Abbildungsnachweis:
Abb. 1 Ansicht der modernen Eisenbahnbrücke der Westbahnstrecke. (Ch. Stradal)
Abb. 2 Freigespühlte Pfahlreihe von Pfeiler II. (W. Ruppert)
Abb. 3 Boie. (Ch. Stradal)
Abb. 4 Pfeiler II von der Bahnbrücke aus photographiert. (Ch. Stradal)
Abb. 5 Pfahlschuh aus Pfeiler III. (Ch. Stradal)
Anmerkungen: ^
1. M. Prell, Die Römische Donaubrücke bei Stepperg, Taucharchäologische Untersuchungen 1992 bis 1996, in: Neuburger Kollektaneenblatt 145, 1997, S. 5-80.
2. H. Cüppers, Eine römische Straßenbrücke über die Enns, in: BJB 165, 1965, S. 97-104.
3. Der Arbeitskreis Unterwasserarchäologie ist Teil der Österreichischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (ÖGUF) und beschäftigt sich nunmehr auf rein theoretischem Gebiet mit der Materie.
4. Die im Text angegebene Nummerierung der Pfeiler verläuft von I-IV, von links nach rechts und flußabwärts gesehen.
5. H.Schmidl, Beiträge zur römischen Ennsbrücke, in: Mitteilungen des Museumvereins Lauriacum Enns 37, 1999, S. 15-17.
6. Auf die Umbauten an der zweiten modernen Eisenbahnbrücke in den 70er Jahren soll hier nicht näher eingegangen werden. Für die sog. römische Brücke ist nur die Errichtung eines dritten Pfeilers in der Mitte des Flusses und die Verlängerung der Pfeiler in südliche Richtung relevant. Damit reichen sie nun teilweise in die Reste der alten Brücke hinein und verursachen dort große Störungen. Geänderte Strömungsverhältnisse scheinen die Pfeiler langsam vor allem im NW auszuspülen (s.o.).
7. Die Datierung der anderen zwei Proben war wegen des mangelhaften Materials nicht möglich. Die dendrochronologische Untersuchung dieser und auch aller anderen Proben wurde durch Dr. Otto Cichocki, Interdisziplinäre Einrichtung für Archäologie (IDEA) Wien duchgeführt.
8. Bauprotokolle über die Errichtung der Eisenbahnbrücke in den Jahren 1856-1858 sind leider nicht erhalten. Es existieren einzig die Indices der K&K Staatsbahnen in denen auch die Protokolle eingetragen sind. Abgesehen von den Überschriften und Datumsangaben ist nicht mehr in den Archiven erhalten.
9. Aktennummer im Österreichischen Staatsarchiv: Archiv für Verkehrswesen (AVA), 10/MW, <0441, Stk 1-7>; <44/ab, Stk 1+2>.
10. Archiv der Republik, Pläne der KEB (Kaiserin Elisabeth Bahn) <24250 - alle ad.>.
11. Die Bilder befinden sich vor allem im Besitz des Museum von Enns und aus den Postkarten Sammlungen von Privatpersonen.
12. Auf das römische Wegenetz bei Enns kann in diesem nicht näher eingegangen werden. Einen ausführlicheren Exkurs zu diesem Thema wird es in der Abschlußpublikation der Untersuchung geben.
13. Das Boot wurde uns in Form einer hübschen Holzzille durch die Freiwillige Feuerwehr Enns zur Verfügung gestellt, der hiermit herzlichst gedankt werden soll.
14. Der Stadtgemeinde Enns ist hier besonders zu danken. Das Ausbleiben von Erkältungen ist zu einem großen Anteil der Hilfbereitschaft des Stadtbauamtes zuzuschreiben.
15. Über die Unklarheiten der genauen Konstruktionsweise und die Provisorien nach dem Hochwasser 1899 siehe oben unter 1.3.
16. Alles in allem sind beim Pfeiler IV nur mehr sieben Pfähle erkennbar gewesen. Die fünf markantesten davon wurden mit Boien gekennzeichnet und eingemessen. Die restlichen zwei liegen jeweils so knapp neben anderen Pfählen, sodaß kein Erkenntnisgewinn zu erwarten war und sie aus Zeitgründen vernachlässigt wurden.
17. Drei der insgesamt vier Pfahlschuhe im Museum von Enns werden im Inventar als römisch geführt. Sie sind im 19. Jhd. in das Museum gelangt und angeblich in der Enns auf Höhe der ehemaligen Römerstraße gefunden worden.
18. Im nachhinein betrachtet, muß es sich bei dem bei Pfeiler III/5 herausragenden Metallfragment nicht zwingend um den Pfahlschuh handeln. Eigenartig ist nähmlich der Umstand, daß nur eine Lasche (Lappen) zu sehen ist, aber eigentlich alle vier herausragen müßten. Außerdem wären die Pfähle von Pfeiler III damit weitaus weniger tief in den Boden gerammt, als bei dem anderen schon beträchtlich freigespülten Pfeiler II. Die Lage an der Oberfläche des geborgenen Pfahlschuhs macht dies aber glaubhaft, falls dieser in situ gefunden wurde. Nur die Untersuchung des Unterschiedlichen Niveaus und der damit verbundenen Einrammtiefe der Pfähle, könnte hier weitere Erkenntnisse bringen.
19. Es existieren dazu Photos aus dem Archiv des Museums von Enns, die einige gut erhaltene Pfähle am Ufer der Enns zeigen. Angeblich läßt sich die auf den Photos abgebildete Stelle bei dem Papstkreuz lokalisieren.
20. Nach Angaben der Ortsansässigen, kommt es immer wieder vor, daß im Winter die Enns nahezu austrocknet, oder daß die Ennskraftwerke AG das Flußbett künstlich trocken fallen läßt um Wartungsarbeiten durchführen zu können.
*. Eine Zusammenfassung der Schriften und eine textkritische Ausgabe der Varianten findet sich bei: W. Neumüller, Der Hl. Florian und seine Passio, in: Sankt Florian, Erbe und Vermächtnis, Festschrift zur 900-Jahr-Feier, Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchives 10, 1971, S.25-35. Zum Leben und der Legende des Hl. Florian siehe auch: R. Harreither - R. Pillinger (Hrsg.), Frühes Christentum am Österreichischen Donaulimes, Ausstellung im Niederösterreichischen Landesmuseum für Frühgeschichte im Schloß Traismauer, 8. Mai bis 1. November 1999, Wien, 1999, bes. S. 13-14.
(© C.D.)