| • Der Einbaum aus dem Wörthersee | |
| Bericht über die Bergung eines beeindruckenden Bootes | |
![]() |
|
| (Abb. 1 Fotomosaik des Einbaumes) | |
| Im November 2006 wurde durch Ronald Mayerhofer aus Reifnitz eine bemerkenswerte Entdeckung im Wörthersee gemacht. Auf ca. 20 m Tiefe wurde ein Einbaum entdeckt, der bereits zu einem großen Teil aus dem Seeboden ragte. (Abb. 1) | |
|
Ronald Mayerhofer war sich der Wichtigkeit seines Fundes bewusst, und verständigte deshalb das Kärntner Landesmuseum in Klagenfurt. In dessen Sammlung befinden sich bereits zwei Einbäume, die wahrscheinlich aus der Bronzezeit stammen. Auch ein spätantiker Einbaum aus dem Klopeiner See, der von Triton geborgen wurde, war erst 2006 im Rahmen einer Sonderausstellung zu besichtigen. |
|
|
(Abb. 2 Einbaum aus den 70er Jahren mit den beiden Findern Gerhard Sellner und Wolfgang Haybäck) |
| Man wusste im Museum auch von einem früheren Einbaum aus dem Wörthersee. Aus der selben Bucht, in der das Boot nun gefunden wurde, war schon in den 70er Jahren ein Einbaum geborgen worden. (Abb. 2) Dieser Einbaum wurde damals auf ca. 1400 Jahre vor unserer Zeit - also ca. 600 n. Chr. - datiert. Er ist heute im Fischereimuseum von Seeboden am Millstättersee zu besichtigen. |
|
![]() |
(Abb. 3 Unterwasseraufnahme des Buges im Hebebaum eingehängt) |
|
Das Landesmuseum verständigte das Vienna Institute for Archaeological Science (VIAS) um der Sache auf den Grund zu gehen. VIAS forscht seit Jahren in Kärntens Gewässern und kooperiert dabei eng mit Triton. Aus diesem Grund wurde Triton mit der weiteren Untersuchung beauftragt. |
|
|
Anfang 2007 kam es zu einem ersten Tauchgang zum Boot. Die Suche nach dem durch den Finder Insp. R. Mayerhofer mit einer Unterwasser-Boje gekennzeichneten Einbaum musste allerdings wegen extrem schlechter Sichtverhältnisse und fehlerhaften GPS-Daten abgebrochen werden. |
|
|
Nachdem der Einbaum neuerlich lokalisiert wurde und alle notwendigen Vorbereitungen getroffen wurden, kam es am 08. Juni 2007 zu der Bergung des Bootes. Der Fundort wird stark von Tauchern frequentiert, die auf der Suche nach Kriegsrelikten sind. Dieses illegale Treiben stellt generell für archäologische Funde unter Wasser eine Gefahr dar. |
|
|
Es zeigte sich, dass der Einbaum nicht an seiner ursprünglichen Stelle lag. Wahrscheinlich wurde er mindestens einmal von einem Minenrechen erfasst. Die Spuren dieser Geräte, die früher zum Sammeln des in der Munition verwendeten Buntmetalles benutzt wurden, finden sich überall im Umfeld des Einbaumes in Form von tiefen Gräben. Durch seine Verschleppung, die erstaunlich wenig großflächige Schäden an ihm selbst verursachte, kam er sogar auf einigen Munitionskisten zu liegen. Damit war auch klar, dass möglichst schnell gehandelt werden musste, um weitere Beschädigungen zu verhindern. |
|
(Abb. 4 Side Scan Sonar Bild des Einbaumes) |
|
|
Bisher waren zum Einbaum nur Größenangaben vom Finder bekannt (Länge ca. 7,5 m; Breite ca. 0,8 m und bis zu 0,7 m erhaltene Bordwand), die sich als genau erwiesen. Der Einbaum wurde aus einem Eichenstamm gehauen, wie sich später an Land eindeutig erkennen ließ. Weitere bautechnische Details waren unter Wasser aufgrund der schlechten Sicht noch nicht zu erkennen. Die Ausrichtung auf dem Seeboden war in annähernder West-Ost-Lage. Der Bug lag in östlicher Richtung gegen das Ufer leicht erhöht. Die Prospektion mit einem Side Scan Sonar brachte gute Ergebisse. (Abb. 4) |
|
(Abb. 5 Heck des Einbaumes unter Wasser) |
|
| Eine weitere Absuche des Umfeldes war aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse nicht zielführend und aufgrund der zahlreichen Kriegsrelikte gefährlich, und musste deshalb auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. |
|
| Die eigentliche Bergung wurde mit Hilfe zweier miteinander verbundener Pontons als Arbeitsplattformen unternommen. (Abb. 6) Die Pontons wurden direkt über der Fundstelle positioniert und durch mehrere Ballaststeine außerhalb des Fundbereiches verankert. | |
(Abb. 6 Die Arbeitsplattformen) |
|
(Abb. 7 Fotographische Dokumentation auf ca. 5 m Tiefe) |
|
|
Nach dem Versuch einer fotographischen Dokumentation trotz der schlechten Sichtbedingungen wurde der Hebebaum bis auf ca. 1 m über dem Einbaum zwischen den Arbeitsplattformen herabgelassen. Parallel dazu wurde die Fundstelle mit Totalstation und Messbojen von Land aus eingemessen. |
|
(Abb. 8 Hochhieven des Einbaumes zwischen den Plattformen) |
|
|
Breite Gurten wurden unter dem Rumpf des Einbaumes durchgeführt und am Hebebaum befestigt. Sobald der Einbaum händisch in annähernd waagrechte Position gebracht war, wurde der Hebebaum von den Pontons aus in die Höhe gezogen. (Abb. 8) Das vorab errechnete Gewicht des Bootes wurde mit ca. 1-1,5 t kalkuliert. Während des Vorganges wurde unter Wasser durch Taucher die Lage des Einbaumes konstant kontrolliert und notwendige Korrekturen der Lage per Sprechfunk (Telefonleitung) an die Hebemannschaft weitergeleitet. Zusätzlich wurde der Hebevorgang fotographisch über und unter Wasser dokumentiert. Oberhalb der Sprungschicht, ab ca. 8 m, erlaubten die besseren Sichtbedingungen endlich auch gute Bilder. (Abb. 3, 5 und 7) Der gesamte Vorgang des Hochhievens dauerte ca. 1,5 Std. |
|
| Der Einbaum wurde anschließend ca. 1,5 m unter der Wasseroberfläche hängend - begleitet von Sicherungstauchern - an die Südseite des Wörthersees zur Schiffsanlegestelle nach Maria Wörth verbracht. Dort wurde er vorsichtig von einem Kranwagen aus dem Wasser gehievt, während parallel dazu das Wasser im Innenraum des Einbaumes ausgepumpt wurde. (Abb. 9) | |
(Abb. 9 Einbaum an Land) |
|
| Am Trockenen folgte eine fotographische Dokumentation und die Vermessung, dann die Verladung auf einen LKW. (Abb. 10) Der Einbaum wurde auf elastische Polystyrolplatten gebettet, gegen Verrutschen gesichert und durch feuchte Decken vor dem Austrocknen geschützt. Wichtig war die dauerhafte Durchfeuchtung des Bootes, um das Holz vor dem Verfall an der Luft zu schützen. | |
(Abb. 10 Vorbereitungen zum Transport) |
|
| Nach dem Transport auf das Gelände der Universität Wien erfolgt nun die Datierung und Konservierung des Einbaumes. Die Präparation (zunächst Entsäuerung durch Lagerung in öfter zu wechselndem entmineralisiertem Wasser) erfolgt in einem eigens angefertigten Folienbecken, das in eine Holzkonstruktion eingehängt ist. |
|
| Die Bergung des Einbaumes wurde im Rahmen des Culture 2000 Projektes "From Underwater to Public Attention" finanziert. | |
|
Unser Dank gilt den beteiligten Institutionen und Personen, darunter besonders: das Österreichische Bundesdenkmalamt, die Österreichischen Bundesforste, VIAS, das Landesmuseum Klagenfurt, die FFW Reifnitz, Ferlach und Krumpendorf, Schenker Logistics, Riegler Transporte und Ronald Mayerhofer. |
|
| (C.D.07/07) | |
| (Abb. 2 © Gerhard Sellner - alle anderen Photos © Triton / Helge Süß, Johannes Kuhn) | |