ZWEI EINBÄUME AUS DEM KLOPEINERSEE IN KÄRNTEN
...einige Momentaufnahmen zu der Bergung Anfang Mai finden sich hier!
Abb. 1: Bugseite der sog. Zille
Durch einen Studienkollegen konnte der Verfasser von zwei "ausgehöhlten Baumstämmen" erfahren, die ein Tauchschulbesitzer (Hr. Leo Helmreich) aus St. Kanzian/ Klopeinersee im Klopeinersee entdeckt hat. Um seine Angaben ehebaldigst nachforschen zu können, fanden Anfang Dezember 2000 Prospektionstauchgänge statt. Tatsächlich konnten am Südufer zwei Einbäume entdeckt und eine erste photographische und zeichnerische Dokumentation durchgeführt werden.
Das erste Objekt ragt in 11m Tiefe auf einer Länge von 3,5m aus dem lockeren Sediment und setzt sich unter dem Seegrund auf eine Gesamtlänge von 4,9m weiter fort.
Der Bug (Abb. 1)– er weist bereits Erosionsschäden auf – ist 42cm breit, gegen die Mitte zu verdickt sich der bauchige Bootskörper auf 45cm (Oberkante) bzw 60cm (halbe Höhe), die Bordwände selbst sind 25 – 30cm hoch.
Das Heck liegt in 12,7m Tiefe. (Abb. 2)
Abb. 2: Heck der sog. Zille
Ca. 150m weiter östlich befindet sich in derselben Tiefe das zweite Objekt. Es liegt parallel zum Ufer und 90° in der Längsachse gekippt. (Abb. 3 und 4) Daß das Objekt erst letzten Herbst entdeckt wurde, könnte darin seinen Grund haben, daß lockeres Sediment ähnlich einem Schneebrett weggerutscht ist und so den Blick in den Innenraum freigegeben hat. Das Objekt selbst ist ein 4,7m langer und 40cm breiter, flach V-förmig ausgehöhlter Stamm mit 3 spantenartigen Querrippen mit je 7cm Dicke. Anscheinend handelt es sich um den letzten Rest eines ursprünglich deutlich breiteren Stammes. Auch hier wurde eine photographischen und zeichnerische Dokumentation durchgeführt.
Abb. 3: Das östliche Ende des römerzeitlichen Einbaumes.
Abb. 4: Das östliche Ende des römerzeitlichen Einbaumes aus einem anderen Blickwinkel.
Beide Objekte sind aus Eichenstämmen gefertigt (herzlichen Dank an M. Grabner, Institut für Botanik, BoKu Wien).
Die Ergebnisse der C14 Datierung stellten eine Überraschung dar. Ergab das erste Objekt ein modernes Alter (jünger kalibriertes Alter 1650) (VERA-1765), so datiert das zweite zwischen 320 und 470 n. Chr. (1650+-30 BP; kal 320 – 470 AD bei 85,8%; VERA-1764), kann also als spätrömisch angesprochen werden.
C.S. & C.D.)
(alle Photos © Leo Helmreich)